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letzte Aktualisierung: 3. Dezember 2018
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Dortmunder Nordstadt
Die Dortmunder Nordstadt hat nicht nur ein Gesicht, sondern viele.

Der Stadtteil "Nordstadt" in Dortmund: Hoher Ausländeranteil, Kriminalität, Arbeitslosigkeit - die Verhältnisse in dem Problemviertel sind eine große Herausforderung für Anwohner und Politik. Drogen und Gewalt gehören hier zum Alltag.

Armutsflüchtlinge aus Rumänien und Bulgarien.

In der Dortmunder Nordstadt leben etwa 60.000 Menschen. Das ehemalige Arbeiterviertel wurde besonders durch den Strukturwandel in den 60er und 70er Jahren geprägt, als tausende Bergbau- und Stahlarbeiter ihren Job verloren.

Contraproduktiv: Nicht nur die Ratten leben in unserem Brennpunkt, hier leben Menschen, und es gibt auch noch ein anderes Gesicht. Stigmatisierung, Reden über Dinge, die man nicht kennt, verbessern nicht unser Viertel. Wie mit Menschen umgegangen wird, die in prekären Lebenssituationen leben, da gibt uns die Politik eine Antwort. Leistung ist nicht alles. Der Mensch hat seinen Eigenwert. Eine Voraussetzung für ein Miteinander ist der Respekt vor dem Anderssein und die Achtung vor dem Leben. Die Probleme können nicht verniedlicht werden, aber Vorurteile lösen auch nicht das Problem. In der Nordstadt sind die Probleme offensichtlich, in anderen Stadtteilen werden sie eher verschleiert. Die dritte Generation der türkischen Bürger sind mittlerweile hier zu Hause und sind in unsere Kultur hineingewachsen.

Rückblickend: In den achtziger Jahren war das Leben bestimmt von Pädagogen, Künstlern und Menschen mit einem multikulturellen Hintergrund, die das Bild der Nordstadt prägten. Ein Miteinander der Generationen und Kulturen, ein Interesse, voneinander zu lernen, verschiedene Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig zu inspirieren. Eine gute Nachbarschaft, bunte Straßenfeste und gemeinsame Projekte. Heute sind noch einige Künstler, wenige Studenten, aber Menschen in prekären Situationen in der Dortmunder Nordstadt vorzufinden. Früher war es ein Miteinander, heute leben wir nebeneinander. Die Pluralität der Lebensstile haben ihr Eigenleben. Sich gegenseitig helfen, small talk, Akzeptanz des Andersseins und eine Grundfreundlichkeit sind ein Merkmal dieses Stadtteils. Eine gewisse Lockerheit und das Absurde werden oft zur Normalität. Eigene Subkulturen entstehen, und Probleme werden intern gelöst. Hier leben keine Spießer, hier sind Akteure am Werk, die ein neues Bühnenbild entstehen lassen. Die Architektur der Jugendstilbauten hat ihren besonderen Charme. Hinzu kommen die farbenfrohe Kleidung, die vielen Kunstateliers und die sozialen Netzwerke. Viele öffentliche Räume für Begegnungen und viele kleine Cafes. Viele Kioske: Bier, Flachmänner zu jeder Zeit erhältlich. Das Leben spielt sich nicht in der Wohnung ab. In den Straßen treffen sich die Menschen, und jeder hat seinen festen Treffpunkt. Mallinckrodt/Pennymarkt/U-Bahn/Nordmarkt/Lortzingstr./Netto usw..

In der Nordstadt sind die Mieten billiger als in anderen Stadtteilen, gute Verkehrsanbindungen, günstige Einkaufsmöglichkeiten zentral und schnell zu erreichen. Um die Seele baumeln zu lassen, bieten der Fredenbaumpark und der Kanal einen guten Erholungswert und sind gleichzeitig Treffpunkt für viele Menschen.

Ein gutes und günstiges Kulturangebot vom Dietrich-Keuning-Haus bis hin zum Depot. In vielen Straßen stehen offene Bücherschränke; die Bücher, die man selbst nicht mehr braucht, werden dort hineingelegt; und das, was einen interessiert, kann man sich rausnehmen. Der Umsonstladen bietet die Möglichkeit Bücher und Kleidung zu tauschen. Was nicht gebraucht wird, wird auf die Straße gestellt zum Verschenken. Sperrmüll ist oft überflüssig.

Die Vielfalt von unterschiedlichen Esskulturen findet man nur in der Dortmunder Nordstadt. Kulinarische Spezialitäten, ein reichhaltiges Angebot von frischem Gemüse, preiswerte Gewürze, Fisch und Fleisch. Man fühlt sich wie in einem Kleinorient. Es ist ein genüssliches Erlebnis, hier zu schlemmen, die Fremdheit wird schnell aufgehoben, denn Essen verbindet.

Dienstag und Freitag ist auf dem Nordmarkt der Wochenmarkt. Der zieht viele Besucher von ausserhalb an. Ein buntes Treiben, und es macht Spaß, die Preise zu handeln.

Zusammen leben und arbeiten wir beide seit dreimal einem Viertel Jahrhundert in der Nordstadt. Es ist uns egal, wo wir leben. Wir sind uns bewusst, wir nehmen uns immer selber mit. Finden keine Gespräche statt, werden Menschen ausgegrenzt, findet Gewalt statt. Ohne gesellschaftliche Teilhabe gibt es keine gemeinsamen Lösungen.


H.W. und N.W.

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