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letzte Aktualisierung: 1. Oktober 2018
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Vom Malen und dem Umgang mit Zeit
Kürzlich hatten wir Flüchtlingsfrauen in unsere Gruppe eingeladen. Für die Kinder gab es einen separaten Spieltisch, zu dem es mich schnell hinzog, lagen dort doch Papier und Buntstifte. Was hatte ich als Kind gerne gemalt!

Ratlos saß ich vor dem Papier. Keine Idee, womit ich die weiße Fläche füllen könnte. Ein Haus mit Zaun und Garten, am Himmel die strahlende Sonne, fiel mir ein. Ein gern gewähltes Motiv aus der Kindheit, welches mir für eine Erwachsene aber unpassend erschien. Warum eigentlich? Hatte ich mir als Kind jemals vergleichbare Gedanken gemacht? Nein! Ich hatte einfach drauflos gemalt, entspannt in die Tätigkeit versunken.

Mir fiel das Heft "Mandalas für Erwachsene" ein, das seit Monaten unberührt bei mir zuhause im Schrank lag. Begeistert hatte ich zugegriffen, als ich es zufällig in der Buchhandlung entdeckte und gleich eine Packung Buntstifte dazu gekauft. Da lag es nun. Immer wenn ich es hervor holen wollte, fiel mir etwas ein, was ich stattdessen zu erledigen hätte.

Wann war mir die Fähigkeit, etwas einfach aus Spaß an der Freude zu tun, abhanden gekommen? Ist mein Gefühl, Zeit zielgerichtet gestalten zu müssen, eine Folge der mir eher aus Tradition als religiöser Überzeugung zu teil gewordenen protestantischen Erziehung? Ist die Vorstellung, meine Zeit nicht mit Nutzlosem "verplempern" zu dürfen, und immer perfekte Ergebnisse liefern zu müssen, eine Folge unseres auf Leistung ausgerichteten Gesellschaftssystems?

Warum habe ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich mich vor den Fernseher setze? Selten schaue ich lehrreiche Sendungen. In der Regel sind es mehr oder weniger belanglose Krimis, die ich auswähle. Ist das keine Zeitverschwendung? Meist sehe ich die Filme nicht zum Sendezeitpunkt. Am Wochenende nehme ich die Fernsehzeitung für die kommende Woche und treffe meine Auswahl, was ich auf den Festplattenrecorder aufnehmen werde, um es zu anderer Zeit von diesem "abzuarbeiten". Und tatsächlich fühlt es sich manches Mal so an, wenn ich eine Aufzeichnung nachdem ich sie mir angesehen habe lösche: Wieder etwas erledigt!

Falls ich mir verspätet noch vornehmen sollte, etwas in 2016 ändern zu wollen, dann mein Verhältnis zum Malen und meinen Umgang mit Zeit.


(Sylvia Spiegel)
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