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letzte Aktualisierung: 3. Dezember 2018
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Nationalismus macht es nur noch schlimmer
Unsere Eliten profitieren von der Konkurrenz, der sie uns aussetzen. Wer auf dem weltweiten Arbeitsmarkt richtig Marktwert hat und richtig gut verdient oder entsprechend Vermögen besitzt, dass noch viel mehr Geld abwerfen kann als die bestbezahlten Managerposten, kann in Ruhe zuschauen, wie wir verzweifelt um Arbeitsplätze kämpfen.
Wenn wir immer länger für immer weniger Geld arbeiten, steigen da die Profite und gleichzeitig sinken die Kosten für Hauspersonal, Gärtner, Prostituierte und Kokain.

Schon immer versuchen die Menschen dorthin zu ziehen, wo es mehr und besser bezahlte Arbeit gibt. Das gab es schon im alten Rom, das in der Antike zu einer Millionenmetropole angewachsen ist. Die Profite aus der Ausbeutung der unterworfenen Völker wanderten nach Rom, und entsprechend des damit möglichen Lebensstils für die dortige Elite war der Bedarf an Arbeitern für damalige Verhältnisse beispiellos. Ob jetzt die Leute für Lohn oder als Sklave gearbeitet haben, machte keinen so großen Unterschied.

Auf jeden Fall zogen sie alle dahin, wo das Geld und damit auch die Arbeit war. Das ist heute nicht anders. Durch die niedrigen Transportkosten heutzutage steigt die Internationalisierung der Konkurrenz um Arbeitsplätze immer weiter an. Alle Staaten müssen sich um Investoren bemühen, die sich die Standorte mit niedrigen Unternehmenssteuern und niedrigen Löhnen bei hoher Produktivität aussuchen können.

Die Zeiten, als man die Gewerkschaften auf nationaler Ebene für gute Löhne und Arbeitsbedingungen hat erfolgreich kämpfen lassen, sind lange vorbei. Damals hatte man Angst vor der Ausbreitung des Kommunismus, das war gut für die Arbeiter im Westen. Seit diese Systemkonkurrenz weg ist, geht es wieder abwärts. Seitdem sinken die Reallöhne für die Mehrheit der Beschäftigten in Europa und den USA kontinuierlich. Dass wir in Deutschland seit kurzem eine leichte Besserung in der Lohnentwicklung haben, lässt wenig hoffen, denn in den ärmeren EU-Ländern geht es dafür umso rasanter abwärts.

In Deutschland hatten wir viel Erfolg mit der Ansiedlung von Unternehmen, das kommt dann auch bei der Masse der Beschäftigten an. Nicht dass die Löhne wieder gestiegen wären, aber immerhin gab es vergleichsweise mehr Arbeitsplätze. Vor allem viele neue richtig schlecht bezahlte Arbeitsplätze, dass die Leute trotz Vollzeit noch von der Schikane der Arbeitsämter abhängig sind und gleichzeitig im Alter noch von ergänzender Grundsicherung abhängig sein werden. Falls es die dann noch gibt zumindest.

Das zieht natürlich viele Menschen aus dem EU-Ausland an. Da kommen richtig fitte Leute, die aber relativ wenig Ausbildung oder Sprachprobleme haben, und sich deshalb dann eher in den weniger qualifizierten Bereichen sammeln. Da kommen durchaus ausgebildete Ärzte aus Polen oder Rumänien zum Akkord-Spargelstechen nach Westfalen. Da hat der deutsche Arbeiter und Langzeitarbeitslose keine Chance, dagegen zu konkurrieren. Die Menschen ziehen eben der Arbeit hinterher, und die Menschen, die vor Kriegen flüchten, kommen im Zweifelsfall auch eher dahin, wo sich schon die Arbeit angesammelt hat.

Klar würde es vorübergehend lokal helfen, wenn wir die Ausländer hier nicht mehr reinlassen würden. Aber das Problem ist nicht, dass die Leute der Arbeit hinterher ziehen, sondern dass die Eliten weltweit nicht nur die Arbeitskräfte gegeneinander ausspielen, sondern sogar die Staaten gegeneinander antreten lassen, sich gegenseitig mit den niedrigsten Unternehmenssteuern zu unterbieten. Wenn wir jetzt hier die Grenzen für Arbeitnehmer dicht machen, machen die Polen und Rumänen irgendwann zwangsläufig auch ihre Grenzen für die hier hergestellten Waren dicht.

Die einzige Lösung wäre, dass sich die Regierungen mindestens europaweit zusammentun um ordentlich Unternehmenssteuern und Vermögenssteuern zu erheben und auch einzutreiben. Dann wären die Staatskassen schnell überall gut gefüllt, und man könnte massiv die Lohnsteuern senken und auch in Südeuropa wieder Sozialleistungen finanzieren. Die etablierten Parteien reden da manchmal von, aber ganz vorne weg ist immer die Bundesregierung, wenn es darum geht, die Profite der Eliten zu sichern und derartige internationale Zusammenarbeit zu verhindern.

Nur die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg ist in der Lage, die Erpressung der Nationalstaaten durch die internationalen Konzerne zu entschärfen. Die weltweite Geldelite hat offenbar bei uns längst die Politik gekapert. Mag sein, dass unsere Politiker das Gefühl haben, der ganz großen Elite da anzugehören, aber sie sind damit Teil des Problems. Unsere Politiker arbeiten nicht für uns, die Menschen, sie arbeiten für das Geld. Nationalismus aber ist da vollkommen hilflos. Ich habe nichts gegen Nationalstolz, ich bin auch gerne Deutscher, aber der Nationalstolz hilft hier einfach nicht weiter.

Der neue Nationalismus von FPÖ, AFD oder Donald Trump nutzt gnadenlos aus, dass die meisten Menschen nicht wirklich verstehen, was mit ihnen gespielt wird und die entsprechenden Konsequenzen daraus ziehen. Die Medien geben sich auch alle Mühe, dass die Leute nicht so recht merken, dass sie hier gnadenlos gegeneinander ausgespielt werden. Die Idee von der Lügenpresse ist bei diesem Thema gar nicht so abwegig.

Aber anstatt sich international gegen das Kapital zusammen zu tun, damit die Eliten sich an der Staatsfinanzierung angemessen beteiligen müssen, treiben die neuen Nationalisten noch die EU auseinander und gefährden die Ansätze von guter internationaler Zusammenarbeit, die wir uns mittlerweile hart erkämpft haben.

Gerade für die kleinen Leute, die diese Verbrecher aus Frust wählen, geht das am Ende noch am schlimmsten aus. Da tröstet es wenig, wenn die neuen Kriege, die dabei herauskommen könnten, auch einem Teil der Elite ihr Geld und ihr Leben kosten könnte.
Der beschworene Nationalstolz tröstet da nur in geringem Ausmaß. Sich als Deutscher etwas besser fühlen zu können, kann die Katastrophe, die sich hier anbahnt, nicht ausgleichen.

Es mag tatsächlich gegen Langeweile helfen, Straßenkleinkriege anzufangen, und so seinem Frust Ausdruck zu verleihen. Wer Krieg will, der kann ihn immer haben. Schließlich kann man auch ohne Grund Ärger anfangen, wenn man das unbedingt will. Da lobe ich mir richtige Hooligans, die sich wenigstens überwiegend mit ihres Gleichen prügeln, und friedliche Menschen meistens in Ruhe lassen.


(T.J.)
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