KLuW e. V. - Münsterstr. 114 - 44145 Dortmund

letzte Aktualisierung: 1. Oktober 2018
Aktuelles / Text des Monats / Text des Monats - Chronik

 
 
 
Aktuelles
Wir über uns
Text des Monats
Förderpreis 2012
Wochenplan
Veranstaltungen
Flyer
Projekte
Kooperationen
Inforello
Mitglieder
Der Verein
Publikationen
Links
Datenschutz
Impressum
zur Chronik
Text des Monats


Unsere Familienfeier
Auf unserer Familienfeier war jemand,
von dem alle wissen, was für eine Diagnose, sprich Grunderkrankung er hat,
und die Diagnose selbst, die er bekommen hat, und ihn auch stigmatisiert hat,
und diese Diagnose ist schlimmer, als die eigentliche Krankheit,
was ihn sehr verletzt und traurig macht, aber auch nur,
wenn er gerade zur Zeit weniger Medikamente in seinem Körper hat,
weil diese seine Gefühle blockieren, sprich verhindern,
und oder gar in hoher Dosis ganz weg dividieren, deaktivieren und ausschalten,
und er sich wie ein Zombie fühlt, was ihn wiederum von den sogenannten Normalen
und nicht Verrückten in seinem sozialen Umfeld vorgeworfen und nicht als Nebenwirkungen
der Medikamente, sondern als Krankheitssymptom interpretiert, und bewertet wird,
was ihn wieder verletzt und möglicherweise zu einem Teufelskreislauf führt
und er wieder in der Endstation Klinik landet,
was er zu verhindern versucht, hoffentlich nicht vergeblich.
Wir werden sehen, na dann viel Glück.

Auf unserer Familienfeier war jemand,
der in unserer Gesellschaft nicht als vollwertiger Mensch eingeschätzt wird,
und auch nicht gilt, und somit abgewertet und stigmatisiert wird,
was er spürt und registriert, und der sich darum wiederum schlecht fühlt,
was wiederum als Krankheitssymtom bewertet wird, weil von seinen Mitmenschen
jeder von sich behauptet, dass er das nicht tut,
sie, ihn nicht negativ sehen und abwerten,
und dieses Erleben der Abwertung einzig und allein in seiner Wahrnehmung liegt,
und somit in die Kategorie Psychose fällt, und was in seiner erhöhten Sensibilität und Vulnerabilität,
sprich Verletzlichkeit liegt, was ihn schon wieder verletzt,
und langsam bleibt ihm die Luft weg.

Auf unserer Familienfeier war jemand,
dessen Betreuer ihm hilft, alles was er in den letzten Klinikaufenthalten verlernt hat,
sich wieder anzueignen, und wieder neu zu erlernen, und auf den er baut und vertraut,
da dieser voll in Ordnung ist, was nicht selbstverständlich ist, wie ihm von seinen Mitpatienten berichtet worden ist.

Auf unserer Familienfeier war jemand,
der mehrmals gefragt worden ist, ob er seine Wohnung noch hat,
was ihn sehr verletzt hat, und immer noch schmerzt.

Auf unserer Familienfeier war jemand,
der sich, als ihn seine immer wiederkehrenden Gefühlsüberflutungen überwältigt haben,
der sich dann in einem Zimmer im Obergeschoss zurückgezogen hat,
um diese, mit der Hilfe von den in der Psychotherapie erlernten Strategien,
und seiner Bedarfsmedikation einzudämmen und zu bewältigen,
sprich in den Griff zu bekommen,
um wieder Teilhabe an der Familienfeier haben zu können.

Auf unserer Familienfeier war jemand,
der keinen Alkohol, aber dafür entkoffinierten Kaffee in großen Massen getrunken hat,
was ihm gut tat, und in sein Krankheitsbild passt.

Auf unserer Familienfeier war jemand,
der zwar gerne lacht, aber wenn man ihm tief in die Augen schaut,
so ist hier immer noch Trauer angesagt, was nur die Liebe heilt.

Auf unserer Familienfeier war jemand,
der in seinen beiden letzten zweimonatigen Psychiatrieaufenthalten,
sehr viel, was jeder bei sich für selbstverständlich hält, verlernt hat,
und somit neu zu erlernen hat,
weil sonst Heim oder Obdachlosigkeit droht,
und er Mitpatienten kennt, denen das widerfahren ist,
und das ist in seinen Augen total krass und bedrohlich,
dass man so auf die erlernte Hilflosigkeit reagiert,
was niemand außer seines Gleichen wirklich versteht.

Auf unserer Familienfeier war jemand,
der in unsere Leistungsgesellschaft nicht passt,
weil er zu schwach und zu dünnhäutig ist,
und somit bis auf weiteres unbefristet arbeitsunfähig ist,
was ihn sehr schmerzt und auch verletzt.

Auf unserer Familienfeier war jemand,
der schon zweimal im Krankenwagen auf der Fahrt in Richtung Klapsmühle saß,
was ihn entwurzelt und verletzt hat, und was aber nur jemand,
der diese Fahrt schon mal mitgemacht hat, auch verstehen kann.

Auf unserer Familienfeier war jemand,
der erst in der Psychiatrieerfahrenen Selbsthilfe, gemerkt und realisiert hat,
was für ein Film in der Parallelgesellschaft der Psychiatrie wirklich abgeht und abläuft.
Na, dann gute Nacht, aber doch hoffentlich nicht dank des Schlafmittels Namens Zobbs,
da hier Abhängigkeit droht.

Auf unserer Familienfeier war jemand,
der wirklich gut Gitarre spielen und komponieren, abtanzen, malen, tischlern, zuhören und auch wie Ihr seht
gut schreiben kann, und dieser Jemand, dass bin ich.
Hallo, Herr Jonas Winter wie geht es ?


(Jonas Winter)
nach oben