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letzte Aktualisierung: 1. Oktober 2018
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Wirkliche Alternativen wären vorhanden
Ein BGE (Bedingungsloses Grundeinkommen) ist zunehmend als Lösung des Arbeitsplatzproblems der aufkommenden Roboterwirtschaft in der Diskussion. Ein BGE setzt allerdings voraus, dass der Staat nicht pleite geht. Unser wachstumsabhängige Kapitalismus wird aber wahrscheinlich vorher richtig vor die Wand fahren, und im Zuge der verzweifelten Versuche, ihn doch noch zu retten, wird wohl auch der deutsche Staat pleite gehen.

Dabei sehe ich eigentlich goldene Zeiten aufkommen, wenn es doch noch irgendwie gut geht, indem unser Steuersystem an eine wachstumsfreie oder zeitweilig sogar schrumpfende Wirtschaft angepasst wird und so der Staat nicht pleite geht. Hier ergäben sich zahlreiche Lebensperspektiven, die nicht nur ein Leben in Erwerbsarbeit notdürftig ersetzten könnten, sondern auch lebensqualitativ einiges zu bieten hätten.

Arbeit muss in Zeiten fortgeschrittener Automatisierung neu definiert werden. Zusätzlich zur hocheffektiven Arbeit, bei der allein das Produkt und der Profit im Vordergrund steht, muss auch eine Form von Arbeit anerkannt werden, bei der es um den Arbeitsprozess selbst, um Ökologie und um Produkte für Kunden geht, die kaum Geld haben dafür zu bezahlen. Ein BGE würde auf unbürokratische Weise dafür sorgen, dass man auch Arbeiten mit nur geringem Zuverdienst problemlos nachgehen kann. Es ist psychologisch etwas schwierig, zu akzeptieren, dass man nicht nur vom Verkauf der Früchte seiner Arbeit lebt. Aber wenn man sich klarmacht, das es mit moderner Robotertechnik einfach nicht mehr genug Produkte gibt, die es Sinn macht zu verkaufen, kann man sich daran gewöhnen, seinen Arbeitsbegriff zu erweitern.

Es gibt heute bereits viele Möglichkeiten, sich außerhalb von reiner Erwerbsarbeit gut zu beschäftigen. Produktion von Kunst und Kultur, Sport und Spiel, Radfahren im Grünen, Vereine und soziales Engagement werden von vielen Menschen genutzt, um aktiv am Leben teilzunehmen. Wenn der regelungswütige Staat noch über seinen Schatten springen würde, könnte man vieles zusätzlich möglich machen.

Gartenbau auf einem Teil der Felder in Stadtnähe wäre eine gute Möglichkeit. Am Feldrand gelegen, dann kann der Bauer die Gärten bei Bedarf ein oder zwei mal im Jahr gleich mitpflügen, das spart viel anstrengende Knochenarbeit. Die Erträge im Ökofeldbau sind zwar erstmal niedriger, im intensiveren Ökogartenbau aber wieder genauso hoch wie im konventionellem Feldbau. So kann man auch Bioanbau machen, ohne dass die Welternährung sich dadurch reduziert. Der Ökogartenbau verbessert immer mehr den Boden, anstatt ihn zu verschlechtern, und die Erträge sind so langfristig gesichert. Das können gerade Flüchtlinge gut machen, die kennen sich meistens noch mit ackern aus, und können hier nebenbei erst mal Deutsch lernen. Die Minibauern können sich teilweise spezialisieren, und auch einen guten Teil der Ernte verkaufen und so ihr BGE aufbessern. In guter sonniger Lage wäre auch Tabakanbau für den Eigenbedarf lukrativ, bei den horrenden Tabaksteuern für Raucher eine wichtige Alternative.

Direkt am Feldrand könnte man sich Hütten bauen, bei Bedarf auch größer als im klassischen Schrebergarten, mit Wohnsitzrecht und der Perspektive, feste Wohnungen daraus zu machen. Da gibt es jede Menge Arbeit, die sehr viel Freude machen kann. Das Bauordnungsrecht dafür abzubauen wäre ganz super. Hier wird ein riesiges Potential an Kreativität blockiert, auf das wir als Menschen auf die Dauer nicht verzichten können. Das Bauordnungsrecht soll doch sowieso nur Umsatz machen, indem es das Bauen teuer macht, diesen Umsatz brauchen wir nicht mehr. Eine sogenannte Zersiedlung stadtnaher Gebiete kann man in Kauf nehmen. Die Leute wollen leben und brauchen Platz dafür. Wenn das in Stadtnähe geht, brauchen die Minibauern kein Auto, das ist dann viel wert, sehr viel mehr als nur die Optik der Landschaftsnutzung. Auch das Wohnraumproblem mit Flüchtlingen löst sich so höchst kostengünstig. Die Wärmeschutzvorschriften kann man bei kleiner Wohnfläche auch weniger streng handhaben, und es ist auch eine gute Option, teilweise nur in der Gartensaison von März bis November dort zu wohnen und den Winter in einer kleinen Stadtwohnung zu verbringen.

Wer keine Lust auf Hütten bauen hat, kann auch großzügige Zelte aufstellen, das braucht kaum Investitionen und man kann sofort mit dem Gartenbau anfangen - oder auch nur im Grünen faulenzen und die Natur beobachten.

Viele Menschen hätten bestimmt auch Lust auf Tierhaltung, dass man da auch gut machen könnte. Das wäre vor allem gut für die Tiere, aber auch die Qualität des Fleisches würde sich erheblich verbessern. Das Futter kann man nebenbei selbst anbauen, aber auch ganz normal dazukaufen. Tierhaltung kann viel Freude machen, man lernt was vom Leben, vor allem für Kinder ist das was ganz tolles.

Gemeinsame Werkstätten für handwerkliche Tätigkeiten aller Art hätten auch das Potenzial für gute Beschäftigungen. Möbel selber herstellen, Fahrräder reparieren oder Kunsthandwerk aller Art zusammen mit Gleichgesinnten, dass man sich auch gegenseitig helfen kann, und jeder seine Kompetenzen einbringt. Kunst und Kultur sind oft auch mit Handwerk verbunden, und gemeinsame Werkstätten wären auch für Künstler ein guter Ort zu arbeiten. Die Computertechnik bietet auch viele Möglichkeiten, Kleingewerbe zu betreiben, und im Internet kann man heutzutage auch gut Kunst und Kunsthandwerk im kleinen Rahmen verkaufen.

Auch Alkoholiker und Drogenfreaks könnte man mal mehr in Ruhe lassen. Wer einmal nachweislich drogensüchtig ist, sollte zu günstigen Preisen saubere Drogen in der Apotheke kaufen können. Dieser Megastress, der um Drogen gemacht wird, schadet allen Beteiligten außer der Drogenmafia. Viele dieser Menschen könnten ein fast normales Leben führen, wenn sie einfach ihre Drogen bekämen und fertig. Wenn die dann eben ohne Anstrengung etwas Glück abbekommen, wäre das vielleicht unsportlich. Auf die Arbeitsleistung dieser Menschen ist die Gesellschaft mit moderner Robotertechnik jedenfalls nicht mehr angewiesen. Die Kriminalität, die zum Drogenverbot dazugehört, ist jedenfalls richtig teuer, und auch die Opfer der Beschaffungskriminalität gehören zu den Schäden der derzeitigen verfehlten Politik.

Die Weiterbildung und die Universitäten sollten für jeden offen sein, der sich für irgendwelche Themen interessiert. Sei es, um irgendwelche Projekte umzusetzen, oder aus reiner Neugier. Schon in den Schulen kann man die Menschen darauf vorbereiten, dass sie später nicht nur Erwerbstätigkeiten nachgehen, sondern auch Sachen machen, die sie vor allem gerne tun. So sollte schon in den Schulen eine weitgehende Freiheit herrschen, welche Kurse man macht. Eine vollständige Auflösung des Klassenverbandes wie im Abitur schon ab der 5. Klasse, dass sich jeder Schüler viel mehr aussuchen kann, wann er was lernen will, wäre hier sehr hilfreich. So könnte man seine kindliche Neugier und Kreativität erhalten. Das heutige Schulsystem produziert Menschen, die auf einen Arbeitsplatz warten und alles andere zurückstellen. Und wenn sie den dann noch nicht mal bekommen, stehen sie da und haben gar nichts mehr.

Minicampingplätze auf dem Land verteilt wären auch eine gute Möglichkeit, kostengünstig und ökologisch gute Zeit zu verbringen. Für zwischendurch zum Naturgeniessen, und auch für Langzeit-Naturfahrten quer durch Europa. Der Sommer in Nord oder Westeuropa, Frühling und Herbst in Mitteleuropa und der Winter am Mittelmeer sind klimatisch im ganzen Jahr zum Radfahren und zum Zelten gut geeignet. Das gemäßigte europäische Klima bietet hier weltweit einmalige Möglichkeiten. Kleine Campingplätze nur mit Dixiklo und Wasserhahn wären eine gute Ergänzung zu normalen Campingplätzen, die man dann nur ein mal die Woche zum Warmduschen und Wäschewaschen aufsuchen braucht. Die gärtnerische Pflege der Minicampingplätze könnte von den Nutzern auch in Eigenarbeit erbracht werden. So wären ausgedehnte Fahrradtouren fast ohne Mehrkosten praktikabel, für Menschen die sich für Natur und Landschaft interessieren und auch gerne mal ihre Ruhe haben und mal keinen sehen wollen. Mit Laptop und mobilem Internet hat man heutzutage alle Möglichkeiten der Kommunikation auch auf Radtouren, neben sozialen Kontakten und Wetterberichten auch Beschäftigung bei schlechtem Wetter.

Kostensenkende Ökologie muss die derzeitigen kostensteigernden Maßnahmen ergänzen, wenn das mit dem Weltklima und der Naturerhaltung noch was werden soll. Die hier aufgezählten Alternativen zur Erwerbsarbeit sollen ja nicht für die ganze Lebenszeit gelten. Normale hochproduktive Arbeit ist ja auch interessant, die fällt ja gar nicht ganz weg. Zeiten von Erwerbstätigkeit und erholsameren Beschäftigungen dieser Art, nach Maßgabe der betroffenen Menschen selbst, wäre wohl deutlich gesünder als der derzeitige Megastress, dem sowohl übermäßig Arbeitende wie auch die total unter Druck gesetzten Arbeitssuchenden ausgesetzt sind. Das reduziert dann auch die Ausgaben der Krankenkassen. Gleichzeitig würden auch psychisch Kranke, andere Behinderte oder einfach nur unqualifizerte Menschen Lebensmöglichkeiten finden können, von denen ich sagen würde, dass sie einfach gesund sind.

Es wäre schade um diese interessanten Perspektiven, nur weil der Staat pleite geht, im verzweifelten Versuch den Kapitalisten ihre ergaunerte Kohle zu retten. Ein entspannter Arbeitsmarkt wäre auch für die Beschäftigten in der Erwerbsarbeit von großem Wert. Märkte müssen vernünftig gestaltet werden, »freie« Märkte gibt es nur in der Phantasie der Anarchie, nie in der Wirklichkeit. Zur Zeit ist alles auf den Profit der Arbeitgeber ausgerichtet. Wenn die Leute selber entscheiden würden, wo und wieviel sie arbeiten wollen, würde man dann für richtige Scheissarbeit auch mehr Geld bekommen, was durchaus gerecht wäre. Und Mitarbeiter für gute und interessante Arbeitsplätze könnte man zu deutlich günstigeren Löhnen bekommen, dass würde dann auch gute Produkte fördern, indem sie für die Kunden günstiger werden.


(T.J.)
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