KLuW e. V. - Münsterstr. 114 - 44145 Dortmund

letzte Aktualisierung: 3. Dezember 2018
Aktuelles / Text des Monats / Text des Monats - Chronik

 
 
 
Aktuelles
Wir über uns
Text des Monats
Förderpreis 2012
Wochenplan
Veranstaltungen
Flyer
Projekte
Kooperationen
Inforello
Mitglieder
Der Verein
Publikationen
Links
Datenschutz
Impressum
zur Chronik
Text des Monats


Nackte Tatsachen
Die heißen Tage sind vorbei. Schön die Spaziergänge unter herbstlich gefärbten Bäumen und eine Witterung, die wärmende Bekleidung erfordert. Zu viele nackte Tatsachen in Form, oder hieße es besser Unform, von nur knapp bedeckten Schwabbelbäuchen und Hüftrollen wurden mir auch in diesem Sommer wieder im Straßenbild aufgezwungen. Mein Wunsch für den Modesommer 2017: Afrikanische Kaftane für Männer und Frauen. Die sind luftig, kleidsam für jede Figur und eine Wohltat für die Augen des Betrachters.

Natürlich gab es auch die Augenweiden. Wohlgeformte junge Körper kaum verhüllt, denen ich einen zweiten ebenso bewundernden wie neidvollen Blick schenkte. Und manches Mal peinlich berührt schnell wieder weg schaute. Minishorts aus leichten Stoffen kombiniert mit Spaghettiträgerhemdchen, die die Trägerin wie ein Model aus einem Unterwäschekatalog aussehen lassen, mitten in der Einkaufsmeile. Gehe ich in die Sauna oder an den FKK-Strand, weiß ich, was mich erwartet und kann die Orte meiden, wenn ich mich den nackten Tatsachen nicht stellen möchte. Halbnackte verschwitzte Körper, egal welchen Alters und Aussehens, die sich im Großstadtgedränge an mir vorbei schlängeln, sind mir ein Greul, lassen sich aber nicht immer umgehen.

Wie fühlt sich ein junger Mann, der bei einem Becher Eis in der Mittagspause entspannen möchte, wenn eine langbeinige Schönheit in knappem Minirock und einem Top kaum mehr als ein Bikinioberteil direkt in seinem Sichtfeld mit übergeschlagenen Beinen Platz nimmt? Freudig erregt oder gestört? Egal was er oder ich beim Anblick spärlich bekleideter Mitmenschen im öffentlichen Raum empfinden, es ist unser persönliches Ding.

Zu viel Bekleidung gilt in unseren Breiten dagegen als öffentliches Ärgernis und Bedrohung abendländischer Werte, wenn sie als Burka getragen wird. Auch ich möchte das Gesicht meines Gegenübers sehen, finde Ganzkörperschleier befremdlich und Männer mit tief in die Augen gezogener Kapuze lösen bei mir Unbehagen aus, speziell in der Dunkelheit. Ist da der Gesetzgeber gefragt?

Französische Polizisten zwingen eine Frau am Strand, einen Teil ihrer Kleidung abzulegen. In anderen Ländern werden Frauen von der Sittenpolizei drangsaliert, weil sie nach deren Maßstab zu leicht bekleidet sind. In unseren Bädern ist der Ganzkörperschwimmanzug muslimischer Frauen angeblich ein Hygienerisiko. Ungebändigte Lockenpracht, Windelkinder und inkontinente Senioren im Schwimmbecken scheinen dagegen kein Problem zu sein.

Der Körper der Frau ein Politikum. Ich korrigiere meinen Wunsch für 2017: Jeder soll tragen, was er will.


(Sylvia Spiegel)
nach oben