KLuW e. V. - Münsterstr. 114 - 44145 Dortmund

letzte Aktualisierung: 2. Mai 2019
Aktuelles / Text des Monats / Text des Monats - Chronik /

 
Aktuelles
Wir über uns
Text des Monats
Förderpreis 2012
Wochenplan
Veranstaltungen
Flyer
Projekte
Kooperationen
Inforello
Mitglieder
Der Verein
Publikationen
Links
Datenschutz
Impressum
zur Chronik
Text des Monats


Hinter den Kulissen

Jeden Dienstag 18.30 treffen wir uns in den Räumlichkeiten des Vereins KLuW. Frau Kunze bietet für die Nordstadt Autogenes Training an. Eingeladen sind Interessierte und Nachbarn. Jeder ist willkommen und der Kurs ist kostenfrei.

Wir sind 8 Frauen und liegen im Leseraum auf unseren Matten. Im Hintergrund erklingt Entspannungsmusik. Phantasiereisen begleiten uns, und dann kommt die wissenschaftliche Entspannungstechnik mit ihren Formeln nach Schulz. Das Angebot wird gut angenommen. Der Kurs lief 7 Jahre. Ein verbindliches Treffen.

Schnack aus der Nordstadt. Jeder hatte etwas zu erzählen. Wir kannten unsere Lebensgeschichte. Frau Ouodt brachte ihre gebrannten Mandeln mit. Frau Müller ihren Girsch, Frau Romero ihre Kochrezepte, Frau Fatz wusste, wann der Bärlauch zu ernten war. Wir kannten die besten Orthopäden und Zahnärzte und waren immer informiert über die Sonderangebote bei Real.

Ich erinnere mich an einen Tag, wir liegen auf unseren Matten im Leseraum. Die Kursleiterin bringt ihre Großtante mit und den Pudel Max. Die Großtante ist im Dortmunder Norden als Oma Erna bekannt. Sie hat ein stolzes Alter von 89 Jahren und ist sehr resolut. Sie sagt was sie denkt, sowohl geistig als auch körperlich ist sie fit. Es ist eine Freude, sie zu erleben.

Oma Erna hat den Hund an der Leine, sie platziert sich im Leseraum in den Sessel, begrüßt die Nachbarn, und sie ist erstaunt, dass wir alle auf dem Boden liegen. Sie fragt ihre Großnichte: "Sabinchen, warum sind wir hier?" Die Großnichte antwortet: "Es ist besser, wenn du hier bist, dann hast du keine Langeweile."
Oma Erna ist erstaunt und antwortet: "Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie Langeweile. Ich weiß gar nicht, was das bedeutet?"

Wir starten mit unserer Phantasiereise. Es geht nach Sizilien. Noch ist es ruhig im Raum. Dann kommen die Affirmationen.

Ruheübung: "Ich bin ganz ruhig." und nichts stört mich.
Oma Erna meint: "Mich stört hier alles, ich bin nicht ruhig, sondern unruhig."

Schwereübung: "Der rechte (oder linke) Arm ist schwer."
Oma Erna meldet sich wieder zu Wort: "Sabinchen, rede kein dummes Zeug. Meine Arme und Beine sind nicht schwer, sondern bei mir ist alles federleicht."

Wärmeübung: "Der rechte (oder linke) Arm ist warm."
Oma Erna ist genervt und sagt: "Mir ist kalt und nicht warm."

Atemübung: "Die Atmung ist ruhig - es atmet mich."
Oma Erna wird laut und ruft durch den Raum:
"Ich habe Herzrasen, so langsam rege ich mich auf. Es atmet mich nicht, sondern ich atme."

Leibübung: "Der Leib ist strömend warm."
Oma Erna schreit nur noch und sagt: "Ich habe Magenkrämpfe. Ich finde hier alles zum Kotzen."

Es wird unruhig im Raum. Der Pudel Max winselt, Sabinchen lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.
Sie sagt: "Ich bin ganz ruhig und entspannt, nichts stört mich, Gedanken ganz gleichgültig."
Da ist die Geduld bei Oma Erna am Ende: "Es reicht mir, dieses Affentheater mache ich nicht mehr mit."
Sie nimmt den Hund und geht.


(H. W.)
nach oben